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Pressemitteilung zur
Eröffnung des Pidinger Klettersteigs
Auf den Spuren Willo Welzenbachs: Drahtseil-Direttissima durch
die Nordwand des Hochstaufens
Im Jahre 1921 kämpfte sich ein junger Mann aus
München zusammen mit einem Freund durch die Nordwand
durch die Nordwand des Hochstaufens bei Piding, nachdem er
im Sommer des Vorjahrs noch an dieser, seiner aller ersten
Erstbegehung, gescheitert war. Als hart und exponiert
charakterisierte Willo Welzenbach die Route, die er gemeinsam
mit F. Liebler eröffnet hatte. In den folgenden Jahren
startete der zu dieser Zeit wohl erfolgreichste deutsche Alpinist
einen beispiellosen Siegeszug zunächst durch die Ost-,
ab Ende der zwanziger Jahre aber auch durch die Westalpen.
Nicht weniger als 43 Erstbegehungen weisen seine Tourenberichte
auf. Die großartige Karriere, die einst am Staufen begann,
und das Leben Willo Welzenbachs endeten in der Katastrophe
des Jahres 1934, auf über 7000m im Schneesturm am Nanga
Parbat.
Jahrzehntelang ist es seither äußerst ruhig
zugegangen in den bereits von der Autobahn München-Salzburg
bestens sichtbaren Nordabstürzen des Hochstaufens. Mit
Ausnahme der wenigen Kletterer, die sich hin und wieder auf
die Spuren von Welzenbach und Ko begaben, blieben hier Gemsen,
Kolkraben und Bergdohlen weitestgehend unter sich. Dank seiner
absoluten Randlage nördlich des Staufens beginnt
definitiv das Flachland bietet der knapp 1800m hohe
Gipfel atemberaubende Ausblicke auf die Chiemgauer Seen, die
Stadt Salzburg, das Saalachtal sowie die Berchtesgadener Bergriesen
Watzmann, Hochkalter und Göll. Die Wanderer, die von
den Talorten Piding, Bad Reichenhall und Inzell aus dem Gipfel
zustreben, wissen das großartige Panorama traditionell
auch zu schätzen. So konnte in diesem Jahr das Gipfelkreuz
des Hochstaufens bereits das 150jährige Jubiläum
seiner Errichtung feiern.
Bergsteiger der etwas schärferen Gangart aber ließen
bisher, von der Autobahn kommend, den Staufen nicht links,
sondern rechts liegen und wandten sich lieber den benachbarten,
berühmteren Bergen Berchtesgadens zu.
Im Sommer 2003 kehrte urplötzlich rege Betriebsamkeit
ein in der verlassenen und vergessenen Nordwand. Der Pidinger
Sepp Reichenberger, aufgewachsen auf der Steiner Alm ganz
nahe an den Nordabstürzen des Hochstaufens, suchte und
fand ideell und materiell unterstützt von seiner
Heimatgemeinde die ideale Linie für einen rassigen
und athletischen Klettersteig. Zusammen mit einer handvoll
weiterer Bergverrückter realisierte Sepp den recht anspruchsvollen
Pidinger via ferrata in nur wenigen Monaten. Der
neue Weg überrascht den Begeher mit beeindruckender Ausgesetztheit
ebenso wie mit grandiosen Tiefblicken und Quergängen
durch lotrechte Wände, vorbei an versteckten Höhlen
und Grotten. Der Ferrata-Aspirant bewegt sich weitgehend an
natürlichen Griffen und Tritten, bestens gesichert vom
durchgehenden, ca. 1100m langen Stahlseil. Nur außergewöhnlich
glatte, griff- und trittlose Passagen wurden mit Trittbügeln
und Griffen entschärft. Der Bizeps und Kletterkönnen
sind also weiterhin gefragt in der Staufen-Nordwand.
Der brandneue Pidinger Klettersteig ist in Bezug auf
Steilheit und Ausgesetztheit mit den klassischen Anlagen in
den Berchtesgadener Alpen, wie etwa dem Mannlgrat am Hohen
Göll oder der Überschreitung der Watzmannspitzen,
nicht vergleichbar. Er stellt weit höhere Anforderungen
an die athletischen Fähigkeiten des Begehers. Und gerade
deshalb ist zu erwarten, daß viele ambitionierte Bergsteiger
in Zukunft den Staufen nicht mehr links bzw. rechts liegenlassen,
sondern die Herausforderung Nordwand-Ferrata annehmen werden!
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